2009



02.10.2009
„Das ist ein freudiger Tag“
von Giesela Schwarz im Kölner Stadt-Anzeiger (www.rhein-berg-online)

Dank 200.000 Euro aus einer Benefizaktion kann das Hospiz am Vinzenz-Pallotti-Hospital erweitert werden. Schon im Frühjahr soll die erweiterte Abteilung für die Betreuung sterbender Menschen zur Verfügung stehen.

Eigentlich ist dies ein trauriger Ort, die Palliativstation mit dem Hospiz am Vinzenz-Pallotti-Hospital. Schwerstkranke Krebspatienten werden hier nicht mehr geheilt, sondern ihr Leben mit intensiver Schmerztherapie und liebevoller Betreuung begleitet. Im Hospiz können Sterbende in Ruhe ihren letzten Weg beschreiten.

Doch jetzt gab es am VPH einen Grund zur Freude: Der erste Spatenstich für eine Erweiterung der Hospizstation wurde von Paul Falk (Hospiz-Förderverein), Architekt Guido Meßthaler, VPH-Geschäftsführer Reinhold Sangen-Emden und dem medizinischen Team durchgeführt. „Das ist ein freudiger Tag“, meinte Sangen-Emden, denn schneller als erwartet konnte das Projekt Hospiz-Erweiterung in Angriff genommen werden. Rund 200 000 Euro erzielte das Benefizkonzert mit Promi-Bands wie den „Bläck Fööss“, das vor zwei Jahren von Paul Falk initiiert wurde. Alle haben umsonst gespielt, insgesamt haben 170 Helfer mitgemacht und kräftig die Werbetrommel für die Hospizbewegung gerührt. „Damit haben wir auch das Thema Hospiz und Sterben aus der Tabuecke geholt, viele Menschen haben sich inzwischen mit dem Thema befasst“, berichtete Paul Falk über den ideellen und finanziellen Erfolg. Das Projekt kostet insgesamt 350 000 bis 400 000 Euro, den Rest steuert das Hospital aus Eigenmittel bei.

Nachdem alle Baugenehmigungen vorliegen, starten jetzt die Bauarbeiten für den Anbau, so dass im Frühjahr das Hospiz insgesamt über sieben Plätze verfügen kann. Zusammen mit der Palliativ-Station, dem ambulanten palliativen Pflegedienst und Hospizdienst, der Trauerbegleitung und der Einbeziehung der niedergelassenen Ärzte wird das Verbundangebot für die Menschen in Rheinberg deutlich erweitert. „Wir haben lange Wartelisten, auch für den Palliativ-Care-Dienst für die Betreuung der schwerstkranken Krebspatienten zu Hause“, informiert Sangen-Emden. Für die niedergelassenen Kollegen werden Weiterbildungen zum Thema organisiert, um die ambulante Versorgung zu verbessern. Auch dieses Programm ist Teil des Aufbaus des Krebserkrankungenzentrums am Vinzenz-Pallotti-Hospital. Nach Aussagen von Sangen-Emden gibt es das Angebot für die stationäre und ambulante Palliativ-Behandlung bis zur Begleitung im Hospiz nur selten in Deutschland.


Architekten stiften ihr Honorar
von Lars Heyltjes, Bergische Landeszeitung 02.10.2009

Wer in zwei Jahren 200 000 Euro an Spenden sammelt, hat ein dringendes Anliegen. So war es bei dem Bensberger Paul Falk. Als seine Schwester im Sterben lag, fand sich kein Hospizplatz. Im Rheinisch-Bergischen Kreis ist das Vinzenz-Pallotti-Hospital (VPH) die einzige Einrichtung, die über Betreuungsmöglichkeiten für Todkranke verfügt. Doch hier waren alle drei Betten belegt.

Falk machte auf die Lücke aufmerksam. Seine Aktion „Hits fürs Hospiz“, die in einem Benefizkonzert mit den Bläck Fööss gipfelte, erfreute sich wachsender Beliebtheit. Ebenso wuchs die Spendensumme, die den Grundstock für eine Erweiterung der Hospizstation bildet. Insgesamt kostet das Vorhaben zwischen 350 000 und 400 000 Euro. Die Differenz trägt das Hospital.

Gestern feierten die Verantwortlichen den ersten Spatenstich. Drei Zimmer werden angebaut: „Insgesamt erhalten wir vier neue Betten, da wir zeitgleich im Bestand umstrukturieren“, sagt Geschäftsführer Reinhold Sangen-Emden. Und die Architekten stiften ihr Honorar: „Uns reicht eine Aufwandsentschädigung. So möchten wir Falks Idee mitfördern“, sagt Planer Guido Meßthaler. Sein Unternehmen hat schon mehrere Aufträge im VPH ausgeführt.

Der Anbau soll bis zum Winter stehen, im Frühjahr ist die Einweihungsfeier geplant. Man wolle die Störungen im laufenden Betrieb so gering wie möglich halten. Das Projekt sei eine behutsame Ergänzung der vorhandenen Architektur, so der Chefplaner: „In den Zimmern sind kleine Verbesserungen geplant, schließlich lernen auch wir dazu.“

Der Bedarf an Hospizplätzen ist ungebrochen hoch. Im VPH regelt eine Warteliste die Zimmerbelegung. Außerdem gibt es den Palliativ-CareDienst, der sich ambulant um Menschen kümmert, die in ihren eigenen vier Wänden sterben möchten: „Wir wollen so vielen Patienten wie möglich die Chance geben, sich zu Hause zu verabschieden. Früher haben Großfamilien die Pflege übernommen, jetzt gibt es immer mehr Single-Haushalte. Alleine in Gladbach sind es 46 Prozent“, sagt Chefarzt Dr. Stefan Korsten.

Um dem Trend begegnen zu können, forciert das VPH die Kooperation mit niedergelassenen Medizinern. In Wochenendkursen lernen sie das Betreuungs-Einmaleins. So wird die Hospizstation entlastet. Doch trotzdem: Der Anbau bleibt ein Tropfen auf den heißen Stein.