2013

14.03.2013
Für würdevolles Sterben
von Bernd F. Hoffmann - Bergische Landeszeitung

Der 87-jährige Werner L. ist schwer leukämiekrank, als er stationär aufgenommen wird. Im Krankenhaus fühlt er sich dem Tode nah. Doch als er zum Sterben nach Hause zurückkehrt, geht es ihm dank der medizinischen und pflegerischen Versorgung des Palliativ-Care-Teams des Vinzenz-Pallotti-Hospitals (VPH) bald spürbar besser. Mittlerweile kann der Kranke wieder stundenweise im Rollstuhl sitzen.

„Das ist ein klassischer Fall, wie man durch intensive Betreuung zu Hause die Lebensqualität steigern kann“, erklärt Iris Rehbein, Leiterin des Palliativ- und Hospizzentrum im VPH. Ab sofort kann das Palliativ-Care-Team die schwerstkranken und sterbenden Menschen noch besser zu Hause versorgen.

Möglich macht das ein Vertragsabschluss zwischen dem Palliative-Care-Team und den gesetzlichen Krankenkassen unter Federführung der AOK Rheinland/Hamburg. Dadurch wird jetzt auch die sogenannte „spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)“ von den gesetzlichen Krankenkassen vergütet. Menschen mit schweren, unheilbaren Krankheiten können im Rahmen dieser Pflege auf Wunsch daheim rund um die Uhr medizinisch und pflegerisch betreut werden.

Mit dem Vertrag wird im Rheinisch-Bergischen Kreis eine Einwohnerzahl von rund 243 000 Menschen abgedeckt. Ähnliche Verträge bestehen bereits unter anderem in Aachen, Köln oder auch im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. „Viele todkranke Menschen haben den Wunsch, zu Hause zu sterben, dafür ist aber ein spezialisiertes Team nötig“, erklärt Annegret Fleck, Regionaldirektorin der AOK Rheinland/Hamburg.

Für diese Art der häuslichen Versorgung ist das Vinzenz-Pallotti-Hospital als einige Einrichtung dieser Art im Kreis gut gerüstet. Über 40 professionelle und ehrenamtliche Kräfte kümmern sich um die Kranken zu Hause und kooperieren dabei mit Apothekern und Hausärzten.

Dazu zählen neben den Pflegefachkräften auch drei qualifizierte Palliativärzte aus den Fachgebieten Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie. Zudem kann auch der bisher betreuende Haus- oder Facharzt in die Versorgung eingebunden werden.



Der Förderverein Hospiz e. V. besteht seit 20 Jahren
Alles Pallotti - von Beatrice Tomasetti
(St. Vinzenz Pallotti Stiftung, Mitarbeiterinformation - Ausgabe 01/2013)
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In Zukunft soll wird das Bensberger Hospiz über zehn stationäre Pflegebetten verfügen. Das ist mehr als dreimal soviel wie zu Beginn des 1993 gegründeten Fördervereins Hospiz e. V., als damals am 26. März unter dem Vorsitz von Dr. Walter Schmidt sieben Gründungsmitglieder die neue Initiative aus der Taufe hoben und in den Anfängen des Hospizes nur zwei Betten auf einer normalen Krankenhausstation für schwerstkranke und sterbende Patienten zur Verfügung standen.
Heute sind es rund 400 eingetragene Mitglieder, die mit einem verlässlichen Jahresbeitrag von mindestens 15 Euro sehr konkret die Hospizidee in Bensberg unterstützen und mit ihrer Vereinszugehörigkeit dazu beitragen, dass viele zusätzliche Hilfen für Menschen in ihrer letzten Lebensphase, aber auch für deren Angehörige in den vergangenen 20 Jahren installiert werden konnten, die das Profil des Hospizes am Vinzenz Pallotti Hospital ausmachen. Hinzu kommen die vielen Einzelspenden, die Angehörige eines Verstorbenen der Einrichtung aus Dankbarkeit für die zugewandte Pflege und intensive Begleitung zukommen lassen. Und als größter Posten die Konzerterlöse der von Paul Falk initiierten Benefizveranstaltungen „Hits fürs Hospiz“, die seit 2007 dem Förderverein mehr als 250.000 Euro eingebracht und den Erweiterungsbau von 2010 möglich gemacht haben.

Seit Bestehen des Fördervereins Hospiz ist Dr. Martin Andreae, Rechtsanwalt in Bensberg, mit dabei. Zunächst als Schriftführer tätig, übernahm er 1995 den Vorsitz und bildet heute mit Erich Bethe, dem stellvertretenden Vorsitzenden, seinem Kanzleipartner Klaus Müller-Frank als Schriftführer, Sr. Nicola Schubert, Schatzmeisterin, und Maria-Theresia Opladen, Beisitzerin, den Vorstand. Die Vereinsgründung hatte Anfang der 90er Jahre Sr. Gerburg Vogt angeregt, deren Initiative und Beharrlichkeit es zu verdanken ist, dass das VPH heute das einzige Hospiz im Rheinisch-Bergischen Kreis betreibt und diese Einrichtung mit engagierter Öffentlichkeitsarbeit auch überregionale Bekanntheit und Bedeutung erlangt hat. Schon früh war für die Pallottinerin absehbar, dass ein Hospiz mit ganzheitlichem Anspruch, das auf mehreren Säulen steht, was die medizinische, pflegerische und sozial-seelsorgliche Versorgung und Begleitung angeht, nicht allein auf Krankenkassenleistungen angewiesen bleiben darf, gleichzeitig aber dauerhaft die anfallenden Kosten auch nicht aus eigener Kraft stemmen kann. Immerhin übernehmen die Kassen die zuschussfähigen Kosten nur zu 90 Prozent. Umso weitsichtiger war ihre Idee einer Vereinsgründung, die heute das Palliativ- und Hospizzentrum auf wirtschaftlich sichere Füße stellt und gleichzeitig gewährleistet, dass es mit seinen vielfältigen Betreuungsangeboten einem hohen Qualitätsanspruch standhält.

Dabei achtet Martin Andreae sorgfältig darauf, dass das Vinzenz Pallotti Hospital auch eine Eigenleistung für diesen Schwerpunkt seines Therapiespektrums erbringt und nicht allen Anträgen auf Förderung, die zunächst bei der Krankenhausverwaltung eingehen, vollständig stattgegeben wird. „Meistens übernehmen wir nach sorgfältiger Prüfung eines Antrags den Großteil der Kosten“, erklärt der Jurist, der bei Gericht auch schon einmal dafür sorgt, dass Bußgelder aus Prozessen dem Hospiz zugute kommen. „Selten lehnen wir ein Gesuch ab, weil wir grundsätzlich davon überzeugt sind, dass alle uns genannten Maßnahmen förderungswürdig sind. Allerdings fördern wir nur in Ausnahmen Einzelschicksale. Wichtig ist uns, dass wir da helfen, wo viele von einer finanziellen Zuwendung profitieren“, erläutert Andreae und betont die Gemeinnützigkeit des Vereins. „Das heißt, dass wir nichts zurückbehalten, sondern Angespartes immer auch komplett für Personal, Baukosten oder Ausstattung ausgeben.“

Denn ein großer Teil der Verfügungsmasse wird für die Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit gestellt. Aber auch die psychoonkologische Betreuung, zwei Pflegekräfte des ambulanten Palliativ-Care-Dienstes, die Kunsttherapie, die Gedenkveranstaltungen für verstorbene Patienten, die Dankeinladungen an die Ehrenamtlichen des Ambulanten Hospizdienstes sowie die wechselnden Ausstellungen auf Station werden vom Förderverein finanziert und schlagen mit regelmäßigen Kosten zu Buche. „Unsere größte Ausgabe war natürlich der Anbau vor drei Jahren mit 200.000 Euro“, bilanziert Andreae. Er weiß aber, dass sich bisher jeder in den letzten zwei Jahrzehnten investierte Euro bezahlt gemacht hat. „Die Arbeit des Hospizes ist für unsere Region so wichtig und die richtige Balance im Umgang mit den Patienten eine Kunst.“ Der 59-Jährige spricht aus eigener Erfahrung. 1991 starb seine damals 37-jährige Frau nach anderthalbjährigem Aufenthalt in unterschiedlichen Pflegeeinrichtungen an den Folgen einer Gehirnblutung. „Damals habe ich zum ersten Mal selbst erfahren, wie wichtig es ist, in einer solchen Situation als Patient gut behütet, aufgehoben und von Menschen umgeben zu sein, die einem jedem Tag mit Fachkompetenz, aber auch einem Lächeln und einer zuversichtlichen Grundeinstellung zum Leben Mut machen.“